Thunderbird und Spotlight. So siegt der Feuervogel.

Auch hier wieder vorweg, dieser Beitrag ist zwar nicht ganz ein warmer Aufguss, aber dennoch in ähnlicher Form bereits in meinem vorherigen Blog Mein Neuer Mac erschienen. Da ich diesen in absehbarer Zeit abschalten möchte, möchte ich ihn nun in überarbeiteter und um die vielen hilfreichen Kommentare ergänzter Form an dieser Stelle erneut publizieren.

Ich muss allerdings auch sagen, das ich seit Leopard vollständig auf Mail.app umgestiegen bin und den Feuervogel in Rente geschickt habe. Die Gründe hierfür sind sicherlich individuell unterschiedlich, bei mir waren es vorrangig die Integration in OS X und die Zusammenarbeit mit Quicksilver. Ebenfalls sehr bedauerlich ist der scheinbare Stillstand der Entwicklung von Thunderbird. Nachteile von Mail.app, die ich auch schon in meinem Ursprungsbeitrag angeführt habe, sind die absolute Abhängigkeit vom Betriebssystem sowie die Notwendigkeit, teils kostenpflichtige, Erweiterungen finden und installieren zu müssen um wirklich produktiv arbeiten zu können. Ein wenig mehr sollte von Hause aus schon dabei sein.

Integration von Spotlight (und Google Desktop Search)

Eines der wichtigsten Argumente gegen Thunderbird neben der fehlendes Integration des Adressbuchs, die unter Windows mehr Vorteile als Nachteile bietet, ist sicherlich auch die fehlende Integration in Spotlight. Es weigert sich einfach die Mails in Thunderbird zu indexieren, so wie es bei Mail.app der Fall ist. Das liegt daran, das Spotlight eine einzelne Datei benötigt, um diese als Suchergebnis anzeigen zu können. Seit Thunderbird und viele andere E-Mail-Clients wie auch Eudora Nachrichten im sogenannten mbox-Format speichern, kann nicht mehr auf eine einzelne Nachricht verwiesen werden. Bis jetzt … denn seit Version 2.0 bietet Thunderbird eine geschickte und kaum bekannte Konfigurationsmöglichkeit namens mail.spotlight.enable. Diese Option veranlasst Thunderbird für alle Nachrichten zusätzlich einzelne Textdateien anzulegen. Es sollte dabei bedacht werden, das bei einer großen Anzahl an E-Mails auch der benötigte Plattenplatz benötigt wird. Diese Dateien können dann aber von Spotlight und auch Google Desktop Search indexiert werden. 

Auch wenn die Einstellungen keine Probleme verursachen sollten, möchte ich darauf hinweisen, das jeder selbst für mögliche Fehler oder Datenverluste verantwortlich ist.

Die folgende Anleitung, die ich von Dennis übernommen und ins Deutsche übersetzt habe, sollte euch helfen Spotlight dazu zu bewegen eure Nachrichten aus Thunderbird zu indexieren. Viel Erfolg!

  1. Sichert euer vorhandenes Thunderbird-Profil (üblicherweise [user directory]/Library/Thunderbird). Überspringt dieses Schritt keinesfalls!
    Idealerweise stellt man Thunderbird vor allen Änderungen so ein, dass neue E-Mails eine Woche lang auf dem Server belassen werden (Extras / Konten / Server-Einstellungen / [x] Nachrichten auf dem Server belassen). 
  2. Installiert euch, wenn nicht schon geschehen, die aktuellste Version von Thunderbird gegebenenfalls über die vorhandene Version und prüft, ob nach dem Neustart noch alle Nachrichten da sind. Sollte hier etwas schief gelaufen sein, spielt das Backup zurück und hört auf.
  3. Installiert den Mozilla mdimporter nach /Library/Spotlight, diese Datei ist ein Plugin was Spotlight beibringt Nachrichten aus Thunderbird zu indexieren.
  4. Startet Thunderbird und geht im Menü auf Thunderbird / Einstellungen / Erweitert / Konfiguration bearbeiten. Sucht nach dem Eintrag mail.spotlight.enable und setzt den Wert auf true.
  5. Überprüft nun, ob der Importer ordnungsgemäß registriert wurde und gebt im Terminal folgendes ein: /usr/bin/mdimport -L. Nach etwa zwei Dritteln des nun folgenden Outputs solltest du folgende Zeile sehen /Library/Spotlight/Thunderbird.mdimporter. Sollte dies nicht der Fall sein, funktioniert etwas nicht und du solltest an dieser Stelle abbrechen und versuchen den Fehler zu identifizieren.
  6. Schließt Thunderbird nun und startet das Programm neu. Nun sollte die “Text”-Version eurer Nachrichten erstellt werden, das kann je nach Umfang deiner E-Mails eine Weile dauern.
  7. Probiert nun Spotlight aus und sucht nach einem Text innerhalb einer E-Mail. Es kann vorkommen, das Spotlight erst mit dem indexieren erst beginnt, nachdem ihr den ersten Suchtest durchgeführt habt. Achtet darauf das der Prozess der Indexierung nicht abgebrochen wird, das kann zu Problemen führen.
Je nach dem wie groß euer E-Mail-Ordner ist, kann das erstellen der Textdateien und das Indexieren einige Zeit in Anspruch nehmen. Denk daran, das Thunderbird für jede einzelne Nachricht eine einzelne Datei anlegen muss und Spotlight diese indexiert, sei deshalb geduldig! Ein kleiner Nebeneffekt ist, das Google Desktop die Spotlight-Plugins nutzt, um das System zu indexieren. Hat also Spotlight alle E-Mails indexiert, wird auch Google Desktop problemlos die E-Mails durchsuchen.
Der Speicherbedarf erhöht sich um etwa 50 %, da die mozeml-Dateien parallel zum mbox-Format angelegt werden. Beide Varianten müssen parallel vorhanden sein. Thunderbirds Suche greift weiterhin auf die mbox-Files zu, Spotlight interessiert sich ausschließlich für die nun vorhandenen Einzeldateien mit den Metadaten.

Zusätzliche Informationen

Freundlicherweise hat Orlando in seinem Kommentar zum Ursprungsbeitrag auf Mein Neuer Mac noch einmal viele hilfreiche Informationen und Ressourcen preisgegeben. Das möchte ich nun im Folgenden würdigen. Danke Orlando!

Mdimporter

Im Ursprungsbeitrag habe ich auf eine ältere Version des Mdimporter verwiesen, bei der die Suchtreffer zum einen als Dokumente und nicht als E-Mails angezeigt werden, zum anderen wird man von tausenden Treffern erschlagen. Das kann einem mit der aktuellen Version nicht mehr passieren. Um dem Problem dennoch beizukommen, wenn man bereits mit der alten Version begonnen hat gibt es hier nun ein paar hilfreiche Tipps. Gemäß http://razal.de/~ibn/techblog/mac/thunderbird_n_spotlight.html lässt sich dieser Fehler mit einem kleinen Eingriff in der Datei /Library/Spotlight/Thunderbird.mdimporter/Contents/Info.plist korrigieren. Hier ergänzt man mittels Texteditor unterhalb von
public.data
public.content

die Zeile beziehungsweise den Schlüssel

public.email-message

Idealerweise erfolgt die Ergänzung bereits vor dem angeführten Schritt 4, womit man sich eine Neuindexierung durch Spotlight ersparen kann.

Abbruch während der Neuindexierung

Wenn man während der Erstellung der mozmsgs-Verzeichnisse Thunderbird beendet, findet dieser Vorgang damit leider ein jähes Ende. Wenn man ihn nicht beim ersten Mal vollständig durchlaufen lässt, werden ausschließlich neu angezeigte E-Mails mit einer passenden Entsprechung ausgestattet. Man müsste also jede einzelne Nachricht in Thunderbird anzeigen, um diese per Spotlight durchsuchbar zu machen. Weder das Verschieben noch diverses Markieren konnten daran etwas ändern. Nach einem Neustart geht es dann aber doch weiter. Auch das Auswählen einer E-Mail aus den Spotlight-Treffern kann zum Abbruch führen.

Laut http://forums.mozillazine.org/viewtopic.php?p=2727178&#2727178 ist der Vorgang von der verfügbaren idle time abhängig und nach Kontrolle der Erstellungszeit der Dateien tatsächlich schnell auf eine Nachricht pro Sekunde begrenzt. Man sollte sich also in jedem Fall in Geduld üben, denn Thunderbird ist hier einfach langsam und sollte alles in Ruhe fertigstellen können. 

Spam im Spotlight

Man sollte abschließend alle Spam-Ordner über Einstellungen / Spotlight / Privatsphäre von der Spotlight-Indizierung ausschließen, um sich die Suchtreffer nicht vollends zuzumüllen. Das würde den Sinn des Ganzen doch massiv konterkarieren. 

Ressourcen

Viel Erfolg beim Einsatz von Thunderbird und der beschriebenen Integration von Spotlight. Auch beim überarbeiten dieses Beitrags habe ich dazu noch keine weiteren insbesondere deutschen Quellen gefunden. Daher freue ich mich immer über Links und Trackbacks auf meine Anleitungen!

2 Responses to “Thunderbird und Spotlight. So siegt der Feuervogel.”

  1. [...] Wie mailt man am Besten? Mit Thunderbird! Veröffentlicht in August 3, 2007 von Kilian Sodwind Überarbeitet auf meinem neuen Blog Macwork veröffentlicht! [...]

  2. Wollt nur mal sagen, dass ich geantwortet hab. Ach und ich vermisse Thunderbird überhaupt nicht mehr …

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